Kultur

 

Die Armenier sind eine der ältesten Nationen der Welt. Die Architektur, Steinmetzerei, Musik, Literatur, Malkunst, Miniaturkunst usw. in Armenien haben eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich. In den Wirren vieler Kriege und unter der Herrschaft anderer Völker (Römisches Reich, Persisches Reich, Arabisches Reich, Osmanisches Reich, Russisches Reich…)  ist es den Armeniern gelungen, ihre nationalen Eigenarten und Traditionen zu bewahren. Armenien ist ein Museum unter freiem Himmel: über das ganze Land verstreut gibt es tausende historische und religiöse, prähistorische und moderne Monumente. In Jerewan gibt es mehr als  40 Museen und Galerien der bildenden Kunst.

 Architektur:Jahrtausendelang war die Architektur ein untrennbarer Teil der armenischen Kultur. Die verschiedenen Monumente in Armenien sind in den Traditionen der armenischen Architektur gebaut.

Die folgenden Bauwerke: die Festung Erebuni-Jerewan (8 Jh.  v.Chr.), der Tempel Garni (1 Jh. n.Chr.), die Kathedrale von Edschmiadzin (4Jh.), Kirche der Hl. Hripsimeh, der Tempel Zwartnoz (7Jh.), Paläste und Kathedralen in Ani, der Klosterkomplex Norawank, Haghpat, Sanahin und Gandzasar (10-13Jh.) besetzen einen hohen Platz in der Geschichte der Weltarchitektur. Armenien ist sehr reich an sakralen Bauten. Daneben wurden hier auch Paläste und Festungen, die für Könige und Brücken und Karawansereien, die an den Kreuzungen der Handelsstrassen gebaut wurden und als Unterkünfte dienten, gebaut.

Chatschkare: (“Խաչքար” auf Armenischen, wörtliche Bedeutung “Kreuzstein”)
gehören zu den eigenständigen Formen der armenischen Kunst. Das 12 bis13 Jahrhundert  gaben einer abschliessenden Vervollkommnung und Perfektion der Chatschkare Raum.

Es gibt Chatschkare, die als Grabsteine dienten. Gleichwohl gibt es auch Chatschkare, die zur Erinnerung an militärische Siege, historisch wichtige Eregnisse oder die Fertigstellung von Kirchen, Brücken und anderen Bauwerken geschaffen wurden. Die Aufstellung der Chatschkare wurde mit einer speziellen Zeremonie begleitet und während dieser Zeremonie wurden sie gesegnet und gesalbt. Gewöhnlicherweise stehen Chatschkare unter freiem Himmel. Man darf sich denen annähern und sie auch anfassen. Der Hauptbestandteil eines armenischen Chatschkars (Kreuzsteines) ist das Kreuz, das im Zentrum der Westseite der Steinplatte eingemeisselt wird. Andere Motive, wie Palmette und die Zikkurat verweisen auf die lebensspendende Qualität des Kreuzes, die ihm durch die historische Kreuzigung zuteil wurde. Das Kreuz auf den armenischen Kreuzsteinen hat lebensspendenden Charakter und es verweist auch auf die Bedeutung der Kreuzigung Jesus Christi für die gesamte Welt und auf die Himmel und Erde verbindende Leiter, weil erst der Kreuzestod Christi das Aufsteigen ins himmlische Paradies ermöglichte. Somit wird hier das Kreuz zum Abbild des kosmischen Lebensbaumes.

Malerei: Die Wurzeln der armenischen Malerei liegen in der äusserst kunstvollen Miniaturmalerei.

Diese Malerei ist auf den Umstand zurückzuführen, dass Bücher in der Vergangenheit eine unermessliche Kostbarkeit darstellen und man so begonnen hatte, vor allem die religiösen Bücher mit Bildern als besonderem Ausdruck der Buchverehrung zu schmücken. Historisch lässt sich die Malerei bis ins 5. Jh. verfolgen, aber die armenische Buchmalerei erlebte ihre Blütezeit im armenischen Mittelalter.

Wandmalerei war in Armenien verbreitet, aber nicht so viel wie in seinen Nachbarländern und nur ein kleiner Teil der Fresken sind erhalten geblieben. Was die Mosaiken betrifft, sind die wenig erhalten geblieben und man kann heute den grossen Einfluss fremder Kulturen  in denen bemerken. Die Leinwandmalerei ist relativ gut erhalten (meistens aus dem 18. und späteren Jh.). Die armenische Malkunst der 18-20 Jh. ist eng mit der russischen, westeuropäischen und östlichen Kulturen verbunden. Solche berühmte Maler wie H. Hownatanyan, Ajvazowsky, M. Saryan, G.Baschindjaghyan, V. Surentyanz und andere haben eine grosse Rolle für die Begründung und Entwicklung der armenischen Malkunst gespielt.

Miniaturmalerei: Den bedeutendsten Platz in der Entwicklung der armenischen figurativen Kunst nehmen zweifellos die Miniaturen, die auf eine lange Geschichte und Tradition zurükblicken. Obwohl viele armenische Manuskripte und Miniaturen im Laufe der Zeit von verschiedenen Feinden geraubt, gebrannt oder  vernichtet  wurden, ist heute noch ein GROSSER Teil von denen erhalten geblieben: etwa 30 000 Manuskripte aus den 9-19 Jh., die in allen von den Armeniern besiedelten Regionen geschaffen wurden.

Schlussendlich sind 10 000 dieser Manuskripte, die eine oder mehrere Miniaturen enthalten, illuminiert. Im Mittelalter wurden die Manuskripte in Kirchen oder Klöstern von den Mönchen und Priestern gefertigt. Jedes Kloster hatte ein Skriptorium, wo die Manuskripte abgeschrieben und in solcher Weise vermehrt wurden. Natürlich konnte auch der Autor die Manuskripte illustrieren. Das Hauptthema der Miniaturen war das Leben von Jesus Christus.

Die vier Evangelien die mesit illuministrierten Texte dieser Zeit. Gewöhnlicherweise wurde auf der ersten Seite jedes Manuskriptes  das Porträt eines Evangelisten dargestellt. Die Seitenränder der Texte waren mit Vögeln, Fischen, Kreuzen, floralen und geometrischen Motiven, kleinen narrativen Szenen verziert.

Musik :ist ein untrennbarer Teil des Alltags der Armenier.

Die ersten Angaben über die musikalischen Wurzeln des Armenischen Hochlandes basieren auf hethitische Keilinschriften (Hethiter waren ein kleinasiatisches Volk des Altertums). Die traditionelle armenische Musik stützt sich auf drei Hauptbereiche, einen Bereich der folklorischen und der liturgischen Musik sowie einen Bereich, der die Musik der Gusans umfasst. Der Gesang ist die Basis aller drei Stilarten.

Seit dem 17. Jh. waren in Armenien die Aschugh-Sänger (Volkssänger) populär. Was die  Instrumentalmusik betrifft, wurde die erst im 19. Jh. entwickelt. In den vergangenen zwei Jahrhunderten kamen viele bedeutungsvolle  armenische Musiker zur Welt: Komitas, A. Spendiaryan,  A. Khachaturyan, A. Tigranyan, M. Ekmalyan  und andere. Die zeitgenössische Musik zeigt sich besonders in Jazz- und Poprichtung. In der Philharmonie, im Kammermusiksaal, in der  Oper und in anderen Musiksälen finden heute viele Konzerte statt, die die Möglichkeit bieten einen schönen und unvergesslichen Abend in der armenischen Hauptstadt Jerewan zu geniessen.

Literatur  :hat immer einen grossen Einfluss auf die armenische kulturelle und nationale Mentalität gehabt.

Bis zum 5. Jahrhundert wurden die armenischen literarischen Werke in anderen Sprachen verfassst oder mündlicherweise von Generation zu Generation  weitergegeben. Im 5. Jh. wurde das armenische Alphabet geschaffen. Dieses Jahrhundert ist als ‘‘das goldene Zeitalter’’ in der armenischen Geschichte bekannt: Die Bibel wurde ins Armenische übersetzt und viele religiöse, historische und wissenschaftliche Meisterwerke wurden auf Armenisch verfasst. Um die wertvollsten Werke der armenischen Literatur und Kunst zu sehen, soll man Matenadaran, Zentralarchiv für mehr als 17 000 alte Handschriften, besuchen. Unter den ausserordentlichen Miniaturen und antiken Fragmenten kann man hier die ältesten Exemplare der Werke der berühmten Historiker Mowses Chorenazi, Agatangeghos, Jeznik Koghbazi, Jeghische, Korjun, sowie auch Manuskripte über Theologie, Astronomie, Astrologie, Geographie, Geschichte, Medizin, Poesie und Musik zu sehen bekommen.

 

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